Kati von Schwerin, die Meisterschülerin

Ich freue mich besonders, wenn ich durch dieses Format Menschen neu kennenlernen darf. Denn so sehr ich das Web mit all seinen Möglichkeiten mag, hat es auch die ein oder andere Kehrseite. Oft lässt die Filterblase alles so schön und rosig erscheinen, zeigt Menschen immer nur von einer Seite. Im eigenen Kopf festigt sich dann ein Bild, dass nur einen Bruchteil der Persönlichkeit spiegelt.

So auch bei mir geschehen, als ich die Antworten von Kati lesen durfte. Kati schrieb mich an und fragte mich, ob sie an der Serie teilnehmen dürfte … Kati von Schwerin, Kati… woher kennst du sie nochmal …??? „erst einmal googlen…“

Achja, du kennst sie noch von der akom Zeit

Da war sie wieder, meine Erinnerung … Kati hatte ich (leider nicht persönlich, aber das wird bestimmt bald …) auf digitalem Weg über meine damaligen Arbeitskollegen kennengelernt. Sie unterstütze uns bei kommunikativen Maßnahmen. Und wie das dann so ist, vernetzt man sich miteinander …

Die nächste Inspirationsstufe

Und da kommt sie wieder, die positive Seite des webs … Auch wenn man beruflich nichts mehr miteinander zu tun hat, verliert man sich nicht aus den Augen. So führte mein Format dazu, dass ich nun mit Kati eine echte Meisterschülerin begrüßen darf.

Und das von keinem geringeren, als Markus Lüpertz.

Von 2004 – 2010 machte Kati ihr Studium an der Kunsthochschule Düsseldorf. Ab 2005 in der Klasse von Prof Lüpertz, wo sie 2009 Meisterschülerin war. Von 2011-2014 folgte noch ein Masterstudium der Philosophie an der Humboldt Universität Berlin und viele viele viele weitere Projekte.

Einen kleinen Einblick findet ihr am Ende ihrer Antworten.

Danke dass du dabei bist Kati (Vita).

Was inspiriert dich?

Dem Künstler wird ja oft unterstellt, er würde sich zu Inspirationszwecken schon fast exzessiv auf jeglichen Vernissagen oder Openings tummeln, der Musiker auf Konzerten… das mag auf den ein oder anderen sicherlich zutreffen, ich besuche Ausstellungen eher selten, die Atmosphäre ist mir oft zu kühl, beinahe unsympathisch. Ich fühle mich dann beobachtet, habe den Eindruck, ich müsste besonders engagiert sein beim Gucken, und elegant fuchteln vorm Werk. Konzerte wiederum stressen mich oft, stehe ich nicht gerade selber auf der Bühne… zu viele Menschen, die dann die besten Songs ungefragt schief mitsingen. Ich lasse mich lieber in der Stille inspirieren, habe früher sogar manche Vorlesung besucht, um mal in Ruhe in mich hineinzuschauen. Gelernt hab ich dann nix, aber mein Notiz- und Skizzenblock war reich gefüllt!
In einer Stadt wie Berlin ist das eine stetige Herausforderung: Ruhe finden, sich hinsetzen dürfen, nichts müssen, nichts sehen oder hören. Beinahe schon unmöglich, was wiederum konstant eine Sehnsucht nährt, nach Reduzierung und Durchatmen. Sehnsüchte wie diese sind derzeit Teil meiner Arbeit. Ich würde also sagen, dass diese „Störgeräusche“, die mich umgeben oder mir inne wohnen, dazu führen kreativ damit umzugehen, bzw. sie in etwas Positives umzuwandeln. Da bin ich ja sowieso ganz bei Kierkegaard… Konflikte, Wut und Kummer sind dem Künstler zuweilen gute Wegbegleiter in Sachen Inspiration…

Was bedeutet für dich Inspiration?

Ich sehe Inspiration oft als ein Gut, welches tagtäglich verschüttet wird, vom Alltag, Sorgen, seltsamen Prioritäten… „Sich inspirieren lassen“ muss ich mir viel zu häufig bewusst vornehmen, was bedeutet, dass ich dann zuallererst ordentlich buddeln muss, bis ich das Gefühl habe, ich komme in die richtige Gemütslage, um Inspiration zuzulassen.
Ich denke aber auch, dass der Begriff „Inspiration“ zwei Bedeutungen hat. Einerseits steht er für den kreativen Impuls, der in meinem Falle künstlerische Prozesse in Gang setzt, und andererseits gibt es diese (beinahe schon spirituellen) Momente, in denen man Situationen oder Begegnungen erlebt, die inspirierend auf alle Bereiche einwirken.
Unterm Strich ist Inspiration für mich ein Impuls, der Prozesse in Gang setzt, und Neues bzw. Veränderung hervorbringen kann.

Welches Thema treibt dich besonders an?

Das muss ich Phasenweise beschreiben, denn ich habe kein Kernthema, welches mich schon mein Leben lang beschäftigt. Ich habe am Anfang meines Kunststudiums akribisch Fußballerbeine gemalt, das war zu der Zeit DAS Thema für mich…:D
Heutzutage finde ich es wichtig, sich selbst zu hinterfragen, Sehnsüchte deutlich zu erkennen, und auch den Blödsinn zu akzeptieren, das packe ich in meine Arbeit, weil ich es für wichtig halte. Diese Akzeptanz treibt mich an, und der Wille Träume zu haben, sie verbalisieren zu können, und realisieren zu wollen. Zudem merke ich, dass langsam aber stetig ein feiner Feminismus in mir empor steigt, das Thema Gleichberechtigung, auch in der Kunst und Musik, ist mir ein Anliegen. Die immer noch vorherrschende Ungleichheit macht mich wütend, was gut ist, denn Wut ist Inspiration und kann somit kreativ eingesetzt werden.

Welche Inhalte sollte man konsumieren, um in das Thema einzutauchen?

„Der Fall“ von Albert Camus, eine Flasche Rotwein und dazu auf dem Plattenteller „Rise“ von The Frames.
Ist dies genügend verdaut, empfehle ich „Ecce homo“ von Friedrich Nietzsche,
dazu ein Schnaps aufs eigene Wohl, plus Father John Mistys „The ideal husband“
Danach ist man schon fast ein Profi in Sachen Selbstreflexion.

Beschreibe dich mit 3 Worten…

Drei Worte sindzuwenig.

there's no game without some balls | 2017

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